kreuz WORTrätsel

 

„Das Evangelium ist das Buch des Lebens des Herrn und ist da, um das Buch unseres Lebens zu werden. Es ist nicht da, um verstanden, sondern um wie eine Schwelle zum Geheimnis angenähert zu werden. Es ist nicht da, um gelesen, sondern um in uns aufgenommen zu werden...
Die Worte des Evangeliums durchwalken uns, verändern uns, bis sie uns gleichsam in sich einverleiben.“ (Madeleine Delbrêl)

 

Spätestens am Donnerstag finden Sie hier Gedanken zum kommenden Sonntagsevangelium. Dieser Impuls möge Ihnen helfen, sich vom Wort (Gottes) berühren zu lassen.


3. Adventssonntag (A): Mt 11, 2-11

 

Johannes hörte im Gefängnis von den Taten des Christus. Da schickte er seine Jünger zu ihm und ließ ihn fragen: Bist du der, der kommen soll, oder sollen wir auf einen anderen warten?

Jesus antwortete ihnen: Geht und berichtet Johannes, was ihr hört und seht: Blinde sehen wieder und Lahme gehen; Aussätzige werden rein und Taube hören; Tote stehen auf und Armen wird das Evangelium verkündet. Selig ist, wer an mir keinen Anstoß nimmt.

Als sie gegangen waren, begann Jesus zu der Menge über Johannes zu reden: Was habt ihr denn sehen wollen, als ihr in die Wüste hinausgegangen seid? Ein Schilfrohr, das im Wind schwankt? Oder was habt ihr sehen wollen, als ihr hinausgegangen seid? Einen Mann in feiner Kleidung? Siehe, die fein gekleidet sind, findet man in den Palästen der Könige. Oder wozu seid ihr hinausgegangen? Um einen Propheten zu sehen?

Ja, ich sage euch: sogar mehr als einen Propheten. Dieser ist es, von dem geschrieben steht: Siehe, ich sende meinen Boten vor dir her, der deinen Weg vor dir bahnen wird. Amen, ich sage euch: Unter den von einer Frau Geborenen ist kein Größerer aufgetreten als Johannes der Täufer; doch der Kleinste im Himmelreich ist größer als er.

 

 

Manchmal sind uns die Hände gebunden und wir müssen wie Johannes mit ansehen, was geschieht – oder auch nicht geschieht. Das kann uns verrückt machen.

Dann kann es gut sein, nachzufragen: „Was ist eigentlich los?“, „Was willst du eigentlich?“.

Jesus scheint die Anfrage des Johannes gut getan zu haben. Er bekommt möglicherweise innere Klarheit über seinen eigenen Weg, auch wenn dieser so anders ist, wie Johannes verkündet hat. Und vielleicht spürt er, dass sein eigener Weg genau so enden wird.

Und doch: Jesus hält nicht die Schaufel in der Hand und siebt die Menschen aus. Er hilft ihnen, ihre Augen zu öffnen, er eröffnet ihnen Wege zur erneuten Teilhabe am Leben – und dies nicht nur irdisch betrachtet. Er schenkt zutiefst Heil, auch wenn dies vielleicht nur wenige in der Tiefe erfassen.

Der vermeintliche Widerspruch zur Verkündigung des Johannes, dass ein durchgreifender Messias kommt, ist für Jesus kein Kritikpunkt an diesem. Im Gegenteil! Später wird er sich selbst als Eckstein bezeichnen, an dem sich unser menschliches Schicksal entscheidet. Nicht Gott verwirft, sondern der Mensch kann an Gott irre werden, zerschellen, wenn er nicht rückhaltlos auf ihn baut. Gott bietet uns seine heilsame Nähe an. Doch wir Menschen wählen unser Schicksal selbst.

Jesus ist mit Johannes aufs engste verbunden und erfasst sich wie dieser als Zeuge des Reiches Gottes: Johannes ist der Wegweiser zu diesem Reich, während Jesus dieses Reich verkörpert. – Unter den von einer Frau Geborenen ist kein Größerer aufgetreten als Johannes der Täufer; doch der Kleinste im Himmelreich, der von einer Jungfrau geborene Diener und Freund aller, ist größer als er.