kreuz WORTrätsel

 

„Das Evangelium ist das Buch des Lebens des Herrn und ist da, um das Buch unseres Lebens zu werden. Es ist nicht da, um verstanden, sondern um wie eine Schwelle zum Geheimnis angenähert zu werden. Es ist nicht da, um gelesen, sondern um in uns aufgenommen zu werden...
Die Worte des Evangeliums durchwalken uns, verändern uns, bis sie uns gleichsam in sich einverleiben.“ (Madeleine Delbrêl)

 

Es ist uns nicht möglich, das Evangelium in seiner Fülle zu erfassen. Und mag es nur eine Kleinigkeit sein, die uns berührt, so gilt es, diese in ihrer Innerlichkeit zu verkosten: "Nicht das Vielwissen sättigt die Seele, sondern das Verspüren und Verkosten der Dinge von innen her." (Ignatius von Loyola)     

 

Spätestens am Donnerstag finden Sie hier einen kurzen Gedanken zum kommenden Sonntagsevangelium. Vielleicht hilft Ihnen dieser Impuls, sich vom Wort (Gottes) berühren zu lassen.


Ostersonntag (A): Joh 20,1-9 (Kurzfassung)

Am ersten Tag der Woche kam Maria von Magdala frühmorgens, als es noch dunkel war, zum Grab und sah, dass der Stein vom Grab weggenommen war.

Da lief sie schnell zu Simon Petrus und dem anderen Jünger, den Jesus liebte, und sagte zu ihnen: Sie haben den Herrn aus dem Grab weggenommen und wir wissen nicht, wohin sie ihn gelegt haben.

Da gingen Petrus und der andere Jünger hinaus und kamen zum Grab; sie liefen beide zusammen, aber weil der andere Jünger schneller war als Petrus, kam er als Erster ans Grab. Er beugte sich vor und sah die Leinenbinden liegen, ging jedoch nicht hinein.

Da kam auch Simon Petrus, der ihm gefolgt war, und ging in das Grab hinein. Er sah die Leinenbinden liegen und das Schweißtuch, das auf dem Haupt Jesu gelegen hatte; es lag aber nicht bei den Leinenbinden, sondern zusammengebunden daneben an einer besonderen Stelle.

Da ging auch der andere Jünger, der als Erster an das Grab gekommen war, hinein; er sah und glaubte. Denn sie hatten noch nicht die Schrift verstanden, dass er von den Toten auferstehen müsse.

[Dann kehrten die Jünger wieder nach Hause zurück.]

 

Offen – gelöst – stimmig.

Maria von Magdala scheint es eilig zu haben. Als der Sabbat vorüber war (Mk 16,1), vermutlich noch im Zwielicht des vergehenden Tageslichtes, am Samstagabend, eilt sie zum Grab Jesu. Die Liebende hält nichts mehr zurück, nicht mal der Tod des Geliebten.

Ihr Herz ist bei all dem weit und offen, wie der Zugang zum Grab. Hoffnung auf vermeintliche Nähe, Trauer, aber auch Sorge (Wer könnte uns den Stein vom Grab wegwälzen? (Mk 16,3)) kennzeichnen dieses Zwielicht, äußerlich wie innerlich.

So sucht sie in ihrer Erschütterung über das leere Grab den Kontakt zu zwei Jüngern Jesu: zu Petrus, („Fels“) und zu Johannes („Gott ist gnädig“). Wer solche Berg- und Talfahrten an Gefühlen durchmacht, kann nicht für sich behalten, was mit ihm los ist.

Petrus und Johannes nehmen Maria von Magdala ernst und machen sich auf zum Grab, jeder in seinem eigenen Tempo. Jeder von beiden leistet seinen eigenen Beitrag: Johannes nimmt die gelösten Leinenbinden wahr, Petrus schaut tiefer ins Grab hinein und kann dies nur betätigen: da hat sich etwas geordnet, alles erscheint irgendwie stimmig.

Spätestens jetzt bahnt sich bei allein Dreien nun das an, was wir Glaube nennen: Offen sein dafür, wann und wie sich Gott in unserem Leben ereignet, gelöst und frei von ungeordneten Anhänglichkeiten, Leben als stimmig erfahren. Das Vertrauen, dass Gott in Jesu Leben alles auf seine eigene Weise „vollendet“ hat, was aber auch an uns schon heute allmählich geschieht: Musste das nicht alles geschehen? (vgl. Lk 24,26)

Und in dieser für sie unfassbaren Situation kehren sie nach Hause zurück. All dies muss sich bei ihnen erst einmal setzen. Kann sich das Neue in ihrem Leben durchsetzen? Verwandelt es sie?

Kommt auch bei uns der Stein ins Rollen? Darf sich neben all dem Belastenden in unserem Leben lebensspendend Neues ereignen? Lassen wir Wandlung zu?