kreuz WORTrätsel

 

„Das Evangelium ist das Buch des Lebens des Herrn und ist da, um das Buch unseres Lebens zu werden. Es ist nicht da, um verstanden, sondern um wie eine Schwelle zum Geheimnis angenähert zu werden. Es ist nicht da, um gelesen, sondern um in uns aufgenommen zu werden...
Die Worte des Evangeliums durchwalken uns, verändern uns, bis sie uns gleichsam in sich einverleiben.“ (Madeleine Delbrêl)

 

Es ist uns nicht möglich, das Evangelium in seiner Fülle zu erfassen. Und mag es nur eine Kleinigkeit sein, die uns berührt, so gilt es, diese in ihrer Innerlichkeit zu verkosten: "Nicht das Vielwissen sättigt die Seele, sondern das Verspüren und Verkosten der Dinge von innen her." (Ignatius von Loyola)     

 

Von Mittwoch bis Mittwoch finden Sie hier einen kurzen Gedanken zum jeweiligen Sonntagsevangelium. Vielleicht hilft Ihnen dieser Impuls, sich vom Wort (Gottes) berühren zu lassen.


26. Sonntag im Jahreskreis (A): Mt 21, 28-32

Was meint ihr? Ein Mann hatte zwei Söhne. Er ging zum ersten und sagte: Mein Kind, geh und arbeite heute im Weinberg! Er antwortete: Ich will nicht. Später aber reute es ihn und er ging hinaus. Da wandte er sich an den zweiten und sagte zu ihm dasselbe. Dieser antwortete: Ja, Herr - und ging nicht hin. Wer von den beiden hat den Willen seines Vaters erfüllt? Sie antworteten: Der erste. Da sagte Jesus zu ihnen: Amen, ich sage euch: Die Zöllner und die Dirnen gelangen eher in das Reich Gottes als ihr. Denn Johannes ist zu euch gekommen auf dem Weg der Gerechtigkeit und ihr habt ihm nicht geglaubt; aber die Zöllner und die Dirnen haben ihm geglaubt. Ihr habt es gesehen und doch habt ihr nicht bereut und ihm nicht geglaubt.

 

Zu wem spricht hier Jesus? Mit wem hat er es hier zu tun?

Der davorliegenden Schriftstelle (Mt 21, 23-27) können wir entnehmen, dass es die Hohepriester und Ältesten des Volkes waren. Durch einen Einwand Jesu angeregt, diskutierten diese miteinander, von wem die Taufe des Johannes ist: Vom Himmel oder von den Menschen. Schließlich entschieden sie sich dann für die vermeintlich ehrliche, aber wohl eher strategische Antwort: Wir wissen es nicht.

Entschiedenheit ist gefragt – so auch im heutigen Gleichnis von den beiden ungleichen Söhnen.

Jesus schilt die Hohepriester und Ältesten des Volkes auf deren Antwort hin, dass sie es bisher an genau dieser Entschiedenheit haben fehlen lassen, da sie, im Gegensatz zu Zöllnern und Dirnen, nicht dem Ruf des Johannes nach Umkehr (Mt 3,7) gefolgt sind. Sie sähen die Früchte dieser Taufe in den sich Bekehrenden – und verharrten dennoch weiter auf Abstand zu Johannes und dessen Botschaft.

Was auf dem Papier so einfach erscheint, Einsicht und Umkehr, ist im wahren Leben unheimlich schwierig. Wir Menschen wollen uns nicht nötigen lassen, uns klar festzulegen und unser Verhalten daraufhin dann auch noch zu ändern. So verharren wir eher wie in einem Schwebezustand, der nichts mit Indifferenz, sondern mit mangelndem Glauben, mit fehlendem Vertrauen zu tun hat.

Doch vor Gott ist Entschiedenheit gefragt:

Heute, wenn ihr SEINE Stimme hört, verhärtet eure Herzen nicht. (Hebr 3,17)