kreuz WORTrätsel

 

„Das Evangelium ist das Buch des Lebens des Herrn und ist da, um das Buch unseres Lebens zu werden. Es ist nicht da, um verstanden, sondern um wie eine Schwelle zum Geheimnis angenähert zu werden. Es ist nicht da, um gelesen, sondern um in uns aufgenommen zu werden...
Die Worte des Evangeliums durchwalken uns, verändern uns, bis sie uns gleichsam in sich einverleiben.“ (Madeleine Delbrêl)

 

Es ist uns nicht möglich, das Evangelium in seiner Fülle zu erfassen. Und mag es nur eine Kleinigkeit sein, die uns berührt, so gilt es, diese in ihrer Innerlichkeit zu verkosten: "Nicht das Vielwissen sättigt die Seele, sondern das Verspüren und Verkosten der Dinge von innen her." (Ignatius von Loyola)     

 

Von Mittwoch bis Mittwoch finden Sie hier einen kurzen Gedanken zum jeweiligen Sonntagsevangelium. Vielleicht hilft Ihnen dieser Impuls, sich vom Wort (Gottes) berühren zu lassen.


 

  1. Sonntag im Jahreskreis (A): Mt 15, 21-28

Jesus ging weg von dort und zog sich in das Gebiet von Tyrus und Sidon zurück. Und siehe, eine kanaanäische Frau aus jener Gegend kam zu ihm und rief: Hab Erbarmen mit mir, Herr, du Sohn Davids! Meine Tochter wird von einem Dämon gequält. Jesus aber gab ihr keine Antwort. Da traten seine Jünger zu ihm und baten: Schick sie fort, denn sie schreit hinter uns her! Er antwortete: Ich bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt. Doch sie kam, fiel vor ihm nieder und sagte: Herr, hilf mir! Er erwiderte: Es ist nicht recht, das Brot den Kindern wegzunehmen und den kleinen Hunden vorzuwerfen. Da entgegnete sie: Ja, Herr! Aber selbst die kleinen Hunde essen von den Brotkrumen, die vom Tisch ihrer Herren fallen. Darauf antwortete ihr Jesus: Frau, dein Glaube ist groß. Es soll dir geschehen, wie du willst. Und von dieser Stunde an war ihre Tochter geheilt.

 

Hosanna, „so hilf doch“, Sohn Davids!

Eine kanaanäische Frau ruft Jesus die Worte zu, die ihm später die Einwohner Jerusalems bei seinem Einzug in Jerusalem zurufen werden.

Doch Jesus schweigt. Sprechen ihn diese Worte denn nicht an? Berühren sie ihn denn nicht?

Wohl kaum.

Schließlich muss sich Jesus ob der Hartnäckigkeit dieser Frau noch seinen Jüngern erklären: Ich bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt.

Jesus, „Gott für die Menschen“, oder bloß begrenzte Erlösung nur für „Eingeweihte“?

Da muss wohl etwas in Jesus mächtig rumort haben. Und doch bleibt er trotz der Demut der Frau weiterhin seiner Linie treu: Es ist nicht recht, das Brot den Kindern wegzunehmen und den kleinen Hunden vorzuwerfen.

Endet denn die Liebe an den Grenzen Israels? Ist die Barmherzigkeit Gottes, des Schöpfers des ganzen Universums, auf das kleine Volk Israel beschränkt?

Jesus erfasst zutiefst, dass er durch diese Frau innerlich berührt ist, wie wenn sein geliebter Abba selbst zu ihm spricht: Ja, Herr! Und als ob dieser Gott überlegen müsste, nach einer kleinen Atempause vielleicht, eher von IHM „in den Bart gemurmelt“: Aber selbst die kleinen Hunde essen von den Brotkrumen, die vom Tisch ihrer Herren fallen.

So erfährt Jesus, wie wir, am eigenen Leib, welche verwandelnde Kraft Gottes Wort hat, wenn es auf einen bereiteten Boden fällt. Ist denn Gott in dieser Frau nicht schon lange am Werk? Soll das eine „Ungläubige“ sein, von der Liebe Gottes ausgeschlossen, obwohl sie inständig bittet?

Gott ereignet sich – auch in der Begegnung mit der kanaanäischen Frau. So revidiert Jesus schließlich seine eigene Gottesvorstellung: Frau, dein Glaube ist groß. Es soll dir geschehen, wie du willst. Und er macht deutlich: Nicht er selbst handelt, sondern Gott handelt: Es soll geschehen, wie du es dir in deinem Herzen, dem Wohnsitz unseres gemeinsamen Vaters, ersehnst.

Gott und Mensch sind hier wahrlich eins – und alles ist schließlich gut.